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Zur Frage, wen Du eigentlich mit dem Kauf des Buchs finanzieren würdest (ich will das Thema Kauf jetzt gar nicht weiter vertiefen, aber angeblich soll es da Alternativen geben
) - tja, von den 22.99 Euro (hab gerade bei Amazon nachgeschaut) geht erst mal die Meerschweinsteuer ab, und den Rest der Beute teilen sich dann Amazon (bzw. der sonstige Vertrieb, Buchhandel etc.), der Verlag und der Autor selbst.
Gerade letzterem gönne ich das ja, muss er doch von seinen angeblichen 10.000 Euro Rente, die er jetzt bekommt, sicher eine Menge Kranken- und Pflegeversicherung und allein schon nur an Steuern echt fett was abdrücken (denke ich mal so, obwohl ich mir auch vorstellen könnte, dass das bei Politikern zumindest teilweise irgendwie doch steuerfrei ist ...). Soll heißen, der wird wohl von seinen Steuern alleine schon so 5 bis 10 durchschnittliche Hartz4-Empfänger unterstützen, und das sogar als Rentner ... also wenn er da das Buch nicht hätte, müsste man ja echt glatt für ihn sammeln gehen ...
Ist ja übrigens auch so eine Geschichte: der Otto-Normal-Rentner müsste hunderte von Jahren geschuftet haben, um das zu bekommen, was bei uns Politiker bekommen, die mal ein paar Jahre in irgendwelchen Parlamenten oder gar in irgendwelchen öberen Funktionen waren. Schon interessant ...
Und ja, silviagold, Du hast recht, im Moment freuen sich sicher viele Politiker über das Ablenkungspotential: ich schätz mal, dass z.B. im Moment der Rösler jeden Morgen und jeden Abend auf seine Knie fällt und darum betet, dass die Presse und das geneigte Publikum sich ausführlichst weiter mit Sarrazin, Kachelmann und Katzenberger beschäftigen, statt mit den Details seiner Gesundheitsreform ... läuft ja ablenkungstechnisch im Moment ja auch ganz gut für ihn ... Amoklauf, Farbbeutel auf Trittin, Oktoberfest: der Rösler wird bei jeder Überschrift jubeln ... Und ja, ich geh davon aus, dass auch Rösler sich um seine Rente und Krankenversicherungsbeiträge nicht ganz so große Sorgen machen muss, wie die Mehrheit der Bürger (egal, ob sie nun Migrationshintergrund haben oder nicht). Völlig egal, was man von seiner "Reform" oder seiner sonstigen Arbeit so hält. (Und wenn er es schafft, das Thema erfolgreich noch eine Weile auszusitzen, wird er vielleicht später mal ein ganz Großer. Darf vielleicht sogar mal Verteidigungsminister werden, oder so ... Ansonsten ist er später halt mal nur einer von denen, die für Angie mal den Kopf hinhalten mussten ... Sowas bezeichnete man früher mal als Lehrjahre ...
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) - tja, von den 22.99 Euro (hab gerade bei Amazon nachgeschaut) geht erst mal die Meerschweinsteuer ab, und den Rest der Beute teilen sich dann Amazon (bzw. der sonstige Vertrieb, Buchhandel etc.), der Verlag und der Autor selbst.Gerade letzterem gönne ich das ja, muss er doch von seinen angeblichen 10.000 Euro Rente, die er jetzt bekommt, sicher eine Menge Kranken- und Pflegeversicherung und allein schon nur an Steuern echt fett was abdrücken (denke ich mal so, obwohl ich mir auch vorstellen könnte, dass das bei Politikern zumindest teilweise irgendwie doch steuerfrei ist ...). Soll heißen, der wird wohl von seinen Steuern alleine schon so 5 bis 10 durchschnittliche Hartz4-Empfänger unterstützen, und das sogar als Rentner ... also wenn er da das Buch nicht hätte, müsste man ja echt glatt für ihn sammeln gehen ...
Ist ja übrigens auch so eine Geschichte: der Otto-Normal-Rentner müsste hunderte von Jahren geschuftet haben, um das zu bekommen, was bei uns Politiker bekommen, die mal ein paar Jahre in irgendwelchen Parlamenten oder gar in irgendwelchen öberen Funktionen waren. Schon interessant ...
Und ja, silviagold, Du hast recht, im Moment freuen sich sicher viele Politiker über das Ablenkungspotential: ich schätz mal, dass z.B. im Moment der Rösler jeden Morgen und jeden Abend auf seine Knie fällt und darum betet, dass die Presse und das geneigte Publikum sich ausführlichst weiter mit Sarrazin, Kachelmann und Katzenberger beschäftigen, statt mit den Details seiner Gesundheitsreform ... läuft ja ablenkungstechnisch im Moment ja auch ganz gut für ihn ... Amoklauf, Farbbeutel auf Trittin, Oktoberfest: der Rösler wird bei jeder Überschrift jubeln ... Und ja, ich geh davon aus, dass auch Rösler sich um seine Rente und Krankenversicherungsbeiträge nicht ganz so große Sorgen machen muss, wie die Mehrheit der Bürger (egal, ob sie nun Migrationshintergrund haben oder nicht). Völlig egal, was man von seiner "Reform" oder seiner sonstigen Arbeit so hält. (Und wenn er es schafft, das Thema erfolgreich noch eine Weile auszusitzen, wird er vielleicht später mal ein ganz Großer. Darf vielleicht sogar mal Verteidigungsminister werden, oder so ... Ansonsten ist er später halt mal nur einer von denen, die für Angie mal den Kopf hinhalten mussten ... Sowas bezeichnete man früher mal als Lehrjahre ...
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äh, klaro - diese Tageszeitung, die Du meinst, hat sich den Spruch ja wohl sozusagen patentieren lassen, das mit dem es muss ja wohl erlaubt sein etcpp. - ich hoffe, Du hast das mit dem Copyright geklärt ...
Aber, nur mal so zur Information: selbstverständlich ist das nur ein primitiver rhetorischer Kniff, den jedes Erstsemester im Dummquatschen lernt: Diese Tageszeitung tut damit so, als hätte irgend einer nicht erlaubt, über diese Thesen zu diskutieren.
Nur stimmt das selbstverständlich überhaupt nicht: die Auseinandersetzung mit Sarrazin und seinen Thesen findet ja überall statt - aktuell z.B. in einem wirklich lesenswerten Interview in der FAZ(schon wieder FAZ, ich weiß, aber hier erfolgt wenigstens eine etwas ausführlichere Auseinandersetzung mit den Inhalten als bei der Tageszeitung, die zwar fordert, sich mit den Thesen auseinanderzusetzen, diese Auseinandersetzung dann aber im Detail doch lieber anderen überlässt ...
)
Also, daher: landauf, landab kann hier jeder, der möchte, das Buch lesen und sich mit anderen darüber unterhalten oder auch nicht, völlig beliebig. Der Autor durfte es völlig ungehindert veröffentlichen, jede Zeitung darf in der ihr genehmen Art darüber berichten, und so weiter. Ich habe noch nie gehört, dass die Diskussion über diese Themen irgendwo verboten worden wäre.
Es wurde ja noch nicht mal verboten, über die Thesen zu streiten, wenn man sie gar nicht kennt - irgendwie sind wir ja inzwischen selbst von unserer Kanzlerin darüber informiert worden, dass sie sich die Freiheit nimmt, über was zu urteilen, was sie überhaupt nicht kennt. Ok, bei Politikern ist das ja nun nicht völlig neu ...
- welch tolles Vorbild für qualifizierte Auseinandersetzungen mit Themen (und eigentlich schon ein gutes Beispiel für eine von meinen Thesen, nämlich die, dass die demonstrierte Dummheit bei uns offensichtlich täglich zunimmt ... - ich überleg nämlich grad, ob ich auch ein Buch schreiben soll ...
)
Ja, so ist das nämlich, egal was diese Zeitung auch behauptet: Wir sind hier ja glücklicherweise in einem Staat, in dem die Meinungsfreiheit eine besonders hohe Rolle spielt, und keine Meinung unterdrückt wird. Hier kann jeder beliebige Karikaturen über beliebige Personen anfertigen und veröffentlichen, oder seine Meinung zu Demografie und Demokratie verkünden, oder was auch immer - das ist einer der supertollen Aspekte in diesem Staat.
Daher: selbstverständlich sollte man drüber diskutieren, und das ist auch erlaubt! Es ist ja sogar erlaubt, wenn diese Zeitung, von der Du redest, heute ich weiß nicht wieviel Text auf Türkisch verbreitet (boah, wenn das der Wulff wüsste ...) - und dazu auch gleich noch Fotos von Lädigagaohnepushup, Landmädels und wasweißichnochwas ... und das alles für unsere türkischen Mitbürger, nehme ich doch mal stark an ...

EDIT: grad seh ich doch dass die Frau Dr. Merkel ein Buch von Roland Koch der Presse vorstellt- dann hoffen wir doch mal, dass sie es schon gelesen hat ... ;-)
Aber, nur mal so zur Information: selbstverständlich ist das nur ein primitiver rhetorischer Kniff, den jedes Erstsemester im Dummquatschen lernt: Diese Tageszeitung tut damit so, als hätte irgend einer nicht erlaubt, über diese Thesen zu diskutieren.
Nur stimmt das selbstverständlich überhaupt nicht: die Auseinandersetzung mit Sarrazin und seinen Thesen findet ja überall statt - aktuell z.B. in einem wirklich lesenswerten Interview in der FAZ(schon wieder FAZ, ich weiß, aber hier erfolgt wenigstens eine etwas ausführlichere Auseinandersetzung mit den Inhalten als bei der Tageszeitung, die zwar fordert, sich mit den Thesen auseinanderzusetzen, diese Auseinandersetzung dann aber im Detail doch lieber anderen überlässt ...
)Also, daher: landauf, landab kann hier jeder, der möchte, das Buch lesen und sich mit anderen darüber unterhalten oder auch nicht, völlig beliebig. Der Autor durfte es völlig ungehindert veröffentlichen, jede Zeitung darf in der ihr genehmen Art darüber berichten, und so weiter. Ich habe noch nie gehört, dass die Diskussion über diese Themen irgendwo verboten worden wäre.
Es wurde ja noch nicht mal verboten, über die Thesen zu streiten, wenn man sie gar nicht kennt - irgendwie sind wir ja inzwischen selbst von unserer Kanzlerin darüber informiert worden, dass sie sich die Freiheit nimmt, über was zu urteilen, was sie überhaupt nicht kennt. Ok, bei Politikern ist das ja nun nicht völlig neu ...
- welch tolles Vorbild für qualifizierte Auseinandersetzungen mit Themen (und eigentlich schon ein gutes Beispiel für eine von meinen Thesen, nämlich die, dass die demonstrierte Dummheit bei uns offensichtlich täglich zunimmt ... - ich überleg nämlich grad, ob ich auch ein Buch schreiben soll ...
)Ja, so ist das nämlich, egal was diese Zeitung auch behauptet: Wir sind hier ja glücklicherweise in einem Staat, in dem die Meinungsfreiheit eine besonders hohe Rolle spielt, und keine Meinung unterdrückt wird. Hier kann jeder beliebige Karikaturen über beliebige Personen anfertigen und veröffentlichen, oder seine Meinung zu Demografie und Demokratie verkünden, oder was auch immer - das ist einer der supertollen Aspekte in diesem Staat.
Daher: selbstverständlich sollte man drüber diskutieren, und das ist auch erlaubt! Es ist ja sogar erlaubt, wenn diese Zeitung, von der Du redest, heute ich weiß nicht wieviel Text auf Türkisch verbreitet (boah, wenn das der Wulff wüsste ...) - und dazu auch gleich noch Fotos von Lädigagaohnepushup, Landmädels und wasweißichnochwas ... und das alles für unsere türkischen Mitbürger, nehme ich doch mal stark an ...

EDIT: grad seh ich doch dass die Frau Dr. Merkel ein Buch von Roland Koch der Presse vorstellt- dann hoffen wir doch mal, dass sie es schon gelesen hat ... ;-)
Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »r2b« (4. Oktober 2010, 22:10)
aber vielen dank r2b, dass du mir so ausführlich geantwortet hast. sicherlich ändern gewisse meinungsäußerungen nichts, kommen zu spät oder sonst irgendwas, aber eines, und das spricht ja auch aus deinen beiträgen, wird damit doch erreicht: dass aufmerksamkeit dahin wandert. auch wenn so eine diskussion vlt jahre zu spät kommt, gibt es so ein zu spät irgendwie überhaupt? (wenn man von handlungsorientierten gesichtpunkten absieht)
Der WDR hat bei meiner Schule angefragt, ob er dort einige Schüler mit migrationshintergrund interviewn könnte. Von besonderem Interesse ist das Wirtschaftsgymnasium, wir haben z.B. einen Libanesen, der über die Hauptschule zur Höheren Handelschule bis zum Wirtschaftsgymnasium kam. Es geht vor allem um solche Erfolgsgeschichten, geglückte Integration. Ich habe eine weitere Mitschülerin aus Pakistan, die mit 14 Jahren herüber kam und kein Wort Deutsch sprach. Auch sie ist nun auf dem besten Weg zum Abi: Wir sind in der Klasse 13!
Magic is the life in the darknes s
Hi Christin,
zu spät, zu spät - nun ja nein, wenn Du eine historische Betrachtung meinst, aber nun ja doch wenn es um die Frage geht, wann grundsätzliche Gesichtspunkte betrachtet, diskutiert und entschieden werden können oder sollen. So gibt es z.B. in der Demografie je nach Betrachtung durchaus ein zu spät. Ich mein z.B. sowas wie die Frage der Überalterung der Bevölkerung - da ist der Zug einfach abgefahren, wenn man jetzt mal nur die "ursprünglich deutschstämmige" Bevölkerung Deutschlands anschaut. Aber selbstverständlich gibt es nach wie vor auch noch Leute, die Deutschland als geografischen Ort, oder Deutschland als Staat, mit Nachwuchs versorgen - und das sind sowohl Leute mit deutschen Vorfahren, als auch und vor allem im aktuellen Zeitpunkt Leute mit "Migrationshintergrund". Insofern muss man immer ganz genau hinschauen, wovon man eigentlich redet bzw. reden möchte.
Mir persönlich ist das ganze Ding rund um den Sarrazin allerdings viel zu verquast. Sarrazin selbst greift irre viel Themen auf, die seiner Ansicht nach irgendwie miteinander zu tun haben, und die Leute, die über ihn diskutieren, machen das dann noch weiter. Nur wird dann im Endeffekt leider keine "holistische Gesamtschau" aufgebaut, in der wirklich relevante, kausal oder historisch zusammenhängende Themen geordnet behandelt werden, sondern es wird alles wild durcheinanderdiskutiert, meist völlig ohne Sinn und Verstand. Zur Klärung auch nur eines einzigen Themas führt sowas meiner Erfahrung nach nicht.
Deshalb: ich fand das Buch durchaus lesenswert für jene, die sich für einige oder alle dieser Themen interessieren, und vor allem für jene, die sich gerne intellektuell mit irgendwelchen Themen auseinandersetzen. Gewisse eigene Vorkenntnisse im einen oder anderen Bereich wären durchaus wünschenswert, um vernünftig urteilen zu können - wie das ja immer der Fall ist. Für mich persönlich sind viele Thesen von Sarrazin nicht direkt nachvollziehbar, und ich hab oft den Eindruck, dass er hier Einblicke in lokale Gegebenheiten von Berlin auf ganz Deutschland verallgemeinert (was so nicht immer haltbar ist).
Aber insgesamt bin ich einfach überzeugt, dass viele der von ihm angerissenen Themen (egal wie man zu den Aussagen Sarrazins zum jeweiligen Thema steht) einfach schon so weit gediehen sind, dass eine Diskussion zum Thema selbst zum jetzigen Zeitpunkt zu spät ist. Die Demografie ist beispielsweise, wie schon gesagt, in mancherlei Hinsicht festgelegt bzw. der Zug ist abgefahren. Anderes Beispiel: Die Getthoisierung von Migranten ist in einigen Gegenden schon zu weit fortgeschritten, um jetzt noch zu sagen: öh, wollen wir da nun eigentlich Ghettos? Und in anderen Gegenden kennt man sowas überhaupt nicht - da wäre eine Diskussion über sowas eh völlig Quatsch. Oder, weiteres Beispiel: Die Frage, was wir mit Leuten machen, die wir dank jahrzehntelang geltender Rechtslage nach Deutschland einwandern ließen, obwohl klar war, dass diese Leute hier auf keinen gründen Zweig kommen können, ist eigentlich auch nur noch begrenzt grundsätzlich diskutierbar - nicht mehr reinlassen oder jetzt halt wieder wegschicken kann man solche Leute jetzt jedenfalls nicht ... ;-)
Wenn der Zug abgefahren ist, ist es nicht sonderlich sinnvoll, noch über den Abfahrtszeitpunkt und die Richtung zu plaudern - das Ding ist weg, so sieht das aus. Ich kann dann nicht mehr über das Thema diskutieren, sondern nur noch über den weiteren Verlauf. Die Grundlagendebatte ist zu spät. Wir können uns nur noch fragen: hoppala, dreißig Jahre Fehlentwicklung kann man nicht mehr ungeschehen machen, aber wie sind denn jetzt eigentlich die Fakten, und wie gehen wir vernünftig damit um?
Im Moment sehe ich aber nicht, dass irgend jemand so fragt - weder Sarrazin selbst so richtig, noch sonst wer.
Die Frage, ob Aufmerksamkeit dahinwandert, ist nicht so einfach zu beantworten. Wenn Du damit eine sinnvolle Aufmerksamkeit meinst, ein vernünftiges Aufgreifen von Themen durch größere Bevölkerungsschichten und eine intensive Auseinandersetzung, dann schätze ich mal: nein. Das findet eh kaum statt, und wenn, dann reicht so ein Buch nicht als wesentlicher Grund. Wenn Du mit Aufmerksamkeit eine Art "Erregung öffentlicher Erregung" meinst, eine Hektik um der Hektik willen, geschürt von bestimmten Medien zum Zwecke der Auflagensteigerung, oder von Politikern zur Ablenkung von anderen Themen, ja dann schätze ich mal: ja selbstverständlich. Hat wieder mal gut funktioniert ... ;-)
Denn egal ob es um Migration, Alterung der Bevölkerung, Gesundheit oder so etwas wie Stuttgart21 geht: ganz offensichtlich darf in Deutschland jederzeit eine Art vorübergehender Erregung auftreten. Sie wird von denen, die das Sagen haben, auch gerne benutzt - das ist simpelstes politsches Handwerk, lernt man schon im Praktikum.
Ansonsten aber sollte in Deutschland offensichtlich möglichst keine Diskussion außerhalb der politischen Kaste selbst stattfinden. Denn in Deutschland hat nicht die Bevölkerung das Sagen, sondern die von dieser Bevölkerung gewählten Berufspolitiker sind die Ansager. Die machen alles unter sich aus, und wehe, da kommt einer daher und macht ihnen die Meinungshoheit und Entscheidungsfreiheit streitig ... uiii, das kann ja auf keinen Fall geduldet werden. Und die Geschichte gerade der letzten Jahrzehnte zeigt: wenn sich mal doch eine neue "gedankliche Strömung" oder so etwas breit macht, führt dies auch wieder nur zur Entstehung einer weiteren Variante innerhalb der Kaste von Politikern - mit dem Ergebnis, dass die sich genau so wie alle anderen Berufspolitiker verhalten, auch bezüglich der Frage, ob "die Basis" noch mitreden darf - ganz zu schweigen von der Frage, ob die Bevölkerung was sagen sollte ... ;-)
Insofern mein Fazit: der Zug ist in vielerlei Hinsicht abgefahren, und wenn in Deutschland Aufmerksamkeit auf ein Thema gelenkt wird, ist das Ergebnis in politisch relevanten Fällen leicht vorhersehbar ... und selbstverständlich auch das Ergebnis bezüglich jener Themen, von denen durch die Lenkung der Aufmerksamkeit gerade mal wieder abgelenkt werden soll ...
Aber: das ist in anderen Ländern meiner Erfahrung nach auch nicht wesentlich anders, also braucht man jetzt auch kein Germany-Bashing veranstalten ...
zu spät, zu spät - nun ja nein, wenn Du eine historische Betrachtung meinst, aber nun ja doch wenn es um die Frage geht, wann grundsätzliche Gesichtspunkte betrachtet, diskutiert und entschieden werden können oder sollen. So gibt es z.B. in der Demografie je nach Betrachtung durchaus ein zu spät. Ich mein z.B. sowas wie die Frage der Überalterung der Bevölkerung - da ist der Zug einfach abgefahren, wenn man jetzt mal nur die "ursprünglich deutschstämmige" Bevölkerung Deutschlands anschaut. Aber selbstverständlich gibt es nach wie vor auch noch Leute, die Deutschland als geografischen Ort, oder Deutschland als Staat, mit Nachwuchs versorgen - und das sind sowohl Leute mit deutschen Vorfahren, als auch und vor allem im aktuellen Zeitpunkt Leute mit "Migrationshintergrund". Insofern muss man immer ganz genau hinschauen, wovon man eigentlich redet bzw. reden möchte.
Mir persönlich ist das ganze Ding rund um den Sarrazin allerdings viel zu verquast. Sarrazin selbst greift irre viel Themen auf, die seiner Ansicht nach irgendwie miteinander zu tun haben, und die Leute, die über ihn diskutieren, machen das dann noch weiter. Nur wird dann im Endeffekt leider keine "holistische Gesamtschau" aufgebaut, in der wirklich relevante, kausal oder historisch zusammenhängende Themen geordnet behandelt werden, sondern es wird alles wild durcheinanderdiskutiert, meist völlig ohne Sinn und Verstand. Zur Klärung auch nur eines einzigen Themas führt sowas meiner Erfahrung nach nicht.
Deshalb: ich fand das Buch durchaus lesenswert für jene, die sich für einige oder alle dieser Themen interessieren, und vor allem für jene, die sich gerne intellektuell mit irgendwelchen Themen auseinandersetzen. Gewisse eigene Vorkenntnisse im einen oder anderen Bereich wären durchaus wünschenswert, um vernünftig urteilen zu können - wie das ja immer der Fall ist. Für mich persönlich sind viele Thesen von Sarrazin nicht direkt nachvollziehbar, und ich hab oft den Eindruck, dass er hier Einblicke in lokale Gegebenheiten von Berlin auf ganz Deutschland verallgemeinert (was so nicht immer haltbar ist).
Aber insgesamt bin ich einfach überzeugt, dass viele der von ihm angerissenen Themen (egal wie man zu den Aussagen Sarrazins zum jeweiligen Thema steht) einfach schon so weit gediehen sind, dass eine Diskussion zum Thema selbst zum jetzigen Zeitpunkt zu spät ist. Die Demografie ist beispielsweise, wie schon gesagt, in mancherlei Hinsicht festgelegt bzw. der Zug ist abgefahren. Anderes Beispiel: Die Getthoisierung von Migranten ist in einigen Gegenden schon zu weit fortgeschritten, um jetzt noch zu sagen: öh, wollen wir da nun eigentlich Ghettos? Und in anderen Gegenden kennt man sowas überhaupt nicht - da wäre eine Diskussion über sowas eh völlig Quatsch. Oder, weiteres Beispiel: Die Frage, was wir mit Leuten machen, die wir dank jahrzehntelang geltender Rechtslage nach Deutschland einwandern ließen, obwohl klar war, dass diese Leute hier auf keinen gründen Zweig kommen können, ist eigentlich auch nur noch begrenzt grundsätzlich diskutierbar - nicht mehr reinlassen oder jetzt halt wieder wegschicken kann man solche Leute jetzt jedenfalls nicht ... ;-)
Wenn der Zug abgefahren ist, ist es nicht sonderlich sinnvoll, noch über den Abfahrtszeitpunkt und die Richtung zu plaudern - das Ding ist weg, so sieht das aus. Ich kann dann nicht mehr über das Thema diskutieren, sondern nur noch über den weiteren Verlauf. Die Grundlagendebatte ist zu spät. Wir können uns nur noch fragen: hoppala, dreißig Jahre Fehlentwicklung kann man nicht mehr ungeschehen machen, aber wie sind denn jetzt eigentlich die Fakten, und wie gehen wir vernünftig damit um?
Im Moment sehe ich aber nicht, dass irgend jemand so fragt - weder Sarrazin selbst so richtig, noch sonst wer.
Die Frage, ob Aufmerksamkeit dahinwandert, ist nicht so einfach zu beantworten. Wenn Du damit eine sinnvolle Aufmerksamkeit meinst, ein vernünftiges Aufgreifen von Themen durch größere Bevölkerungsschichten und eine intensive Auseinandersetzung, dann schätze ich mal: nein. Das findet eh kaum statt, und wenn, dann reicht so ein Buch nicht als wesentlicher Grund. Wenn Du mit Aufmerksamkeit eine Art "Erregung öffentlicher Erregung" meinst, eine Hektik um der Hektik willen, geschürt von bestimmten Medien zum Zwecke der Auflagensteigerung, oder von Politikern zur Ablenkung von anderen Themen, ja dann schätze ich mal: ja selbstverständlich. Hat wieder mal gut funktioniert ... ;-)
Denn egal ob es um Migration, Alterung der Bevölkerung, Gesundheit oder so etwas wie Stuttgart21 geht: ganz offensichtlich darf in Deutschland jederzeit eine Art vorübergehender Erregung auftreten. Sie wird von denen, die das Sagen haben, auch gerne benutzt - das ist simpelstes politsches Handwerk, lernt man schon im Praktikum.
Ansonsten aber sollte in Deutschland offensichtlich möglichst keine Diskussion außerhalb der politischen Kaste selbst stattfinden. Denn in Deutschland hat nicht die Bevölkerung das Sagen, sondern die von dieser Bevölkerung gewählten Berufspolitiker sind die Ansager. Die machen alles unter sich aus, und wehe, da kommt einer daher und macht ihnen die Meinungshoheit und Entscheidungsfreiheit streitig ... uiii, das kann ja auf keinen Fall geduldet werden. Und die Geschichte gerade der letzten Jahrzehnte zeigt: wenn sich mal doch eine neue "gedankliche Strömung" oder so etwas breit macht, führt dies auch wieder nur zur Entstehung einer weiteren Variante innerhalb der Kaste von Politikern - mit dem Ergebnis, dass die sich genau so wie alle anderen Berufspolitiker verhalten, auch bezüglich der Frage, ob "die Basis" noch mitreden darf - ganz zu schweigen von der Frage, ob die Bevölkerung was sagen sollte ... ;-)Insofern mein Fazit: der Zug ist in vielerlei Hinsicht abgefahren, und wenn in Deutschland Aufmerksamkeit auf ein Thema gelenkt wird, ist das Ergebnis in politisch relevanten Fällen leicht vorhersehbar ... und selbstverständlich auch das Ergebnis bezüglich jener Themen, von denen durch die Lenkung der Aufmerksamkeit gerade mal wieder abgelenkt werden soll ...
Aber: das ist in anderen Ländern meiner Erfahrung nach auch nicht wesentlich anders, also braucht man jetzt auch kein Germany-Bashing veranstalten ...
Danke r2b
ich habe gerade deinen Beitrag und auch den FAZ Artikel mit großen Vergnügen gelesen. Intilligente Beiträge zu einem komplexen Thema!!! Nur Dein Fazit, das sich nichts ändert, teile ich nicht. "Alles verändert sich, wenn wir es veränderen" ( ich bin mir nicht sicher aber ich glaube "Ton Steine Scherben" hat das mal gesungen) ist mir lieber!
ich habe gerade deinen Beitrag und auch den FAZ Artikel mit großen Vergnügen gelesen. Intilligente Beiträge zu einem komplexen Thema!!! Nur Dein Fazit, das sich nichts ändert, teile ich nicht. "Alles verändert sich, wenn wir es veränderen" ( ich bin mir nicht sicher aber ich glaube "Ton Steine Scherben" hat das mal gesungen) ist mir lieber!
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und nun ja, vielleicht hast Du ja sogar recht - im Moment probt das Volk in Stuttgart21 ja den Aufstand, sozusagen, und was rauskommt weiß noch keiner, noch nicht mal der Heiner ...
also ja: vielleicht ändert sich ja doch noch was.
Dass sich alles verändert, wenn wir es verändern, klingt auch ganz gut. Irgendwie auch so schön motivierend ...
Aber: das setzt selbstverständlich die Möglichkeit zur Veränderung als solcher voraus.
Und zwar zu dauerhafter Veränderung - denn es nützt ja nix, wenn der Teig immer wieder mal mit Hefe kräftig aufgebläht wird, aber nie ein regelrechter Backvorgang erfolgt, sondern nach einer Weile immer wieder alles in sich zusammensackt ...
Insofern ist für historische Ereignisse eh keine Veränderung mehr möglich - ist der Zug erst mal abgefahren, bleibt der Bahnhof zurück, oder so ... Deshalb halte ich beispielsweise die demografische Situation in mancherlei Hinsicht für relativ unumkehrbar, zumindest in den nächsten paar Jahrzehnten.
Wobei mir persönlich das offen gestanden reichlich egal ist. Ich hab mich schon mal mit Geschichte beschäftigt, und naja, so gesehen ... Beispielsweise waren vor der Völkerwanderung relativ wenig Alamannen hier ... und irgendwann sind halt womöglich auch keine mehr da ... müssen dann eben Hunnen, Kelten, Babylonier oder sonstwer herhalten für die Alterssicherung, was soll's - und mir persönlich ist auch völlig egal, welche Kirchensteuer derjenige bezahlt, der meinen Rentenobolus leistet ... solange mir dann die jeweiligen Lautsprecher oder Glocken nicht direkt in die alterstauben Ohren dröhnen ... und selbst wenn, kann ich ja immer noch mit Faust (nicht meiner, sondern dem von Goethe) zurückbrüllen: die Botschaft hör ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube ... Zefixluja und Ruhe, sapperment!
Und wegen Genen und so weiter, weiß man ja, dass gerade die Germanen sich nicht über ihre Gene definierten, sondern über die Zugehörigkeit zum Stamm. Die wiederum war aber nicht von Abstammung definiert, sondern von freien Willenserklärungen (naja, vielleicht so ganz frei und freiwillig auch nicht immer ...). Sogar die Bezeichnung Alamannen selbst soll, so eine der Interpretationen, damit zu tun haben, dass es sich um eine "Akkulturation von Menschen verschiedener Herkunft" (cool, was alles in der Wikipedia steht) handelte ...
Und ansonsten, wegen Genen und Intelligenz: was man hat, hat man, und ansonsten nimmt man halt, was so kommt oder was man kriegt ... Durchschnittliche Intelligenz hin oder her, ist doch eh wurscht - weiß ja sogar die Daniela Katzenberger, was wirklich zählt: Blond und Möpse! Und echt, das stimmt schon irgendwie - ich hab bei der jedenfalls noch nie an Pisa gedacht ...
Äh, ach so, ja, urück zum Thema Veränderung: Für gegenwärtige oder zukünftige Gesellschaftsstrukturen, Gesetze, Denktraditionen etc. kann man durchaus noch gewisse Veränderungspotentiale unterstellen - allerdings sind die auch nicht unbegrenzt denkbar. Unser Grundgesetz ist ein simples Beispiel - da lassen sich (auf legalem Weg, bzw. mit und zu Recht
) keinesfalls alle Artikel einfach so ändern.
Wesentlich sind allerdings auch die Stakeholder, wie man so schön sagt. Oder meinetwegen auch: die die das Sagen haben. Und das sind alle paar Jahre mal die Bürger für ein paar Minuten, und dann sind wieder die Politiker dran. Wir haben ja eine Parteiendemokratie, und zwar ausschließlich - da wird vom Bürger immer wieder mal entschieden, wer das Sagen hat, und dann ist aber wieder für eine Weile gut und Ruhe - da wird der Bürger nicht zwischendurch immer wieder mal mit Befragungen zu Sachthemen belästigt, wie in der Schweiz ...
Und ich bin halt insgesamt vor allem deswegen eher pessimistisch, weil ich bei realistischer Betrachtung der Realpolitik davon ausgehen muss, dass Politiker nur in wenigen Fällen (und bestenfalls nur am Anfang ihrer Karriere) den Souverän wirklich erkennen und dauerhaft anerkennen und sich selbst dauerhaft sozusagen als Dienstleister an diesem Souverän verstehen. Ich kenn einige Politiker (nicht persönlich), bei denen ich den Eindruck habe, dass sie sich so definieren - aber bei der Mehrheit unterstelle ich das eher nicht. Denn üblicherweise setzen sich Politiker über kurz oder lang eben doch vom Bürger ab, und auch viel zu gerne über die Bürger hinweg.
Und mein Pessimismus wird angetrieben von der Erkenntnis, dass das nicht nur für Altströmungen oder -Parteien gilt, sondern dass auch die in den letzten Jahrzehnten neu hinzugekommenen Parteien bzw. deren Vertreter schon in relativ kurzen Zeiträumen in solche Denkmuster verfallen. Egal, ob man da Aspekte wie die üppigen Pensionsregelungen, die diversen Dienstwagen- Dienstflüge- und was weiß ich noch für Regelungen und Affären als Beispiel nimmt, oder eben die offensichtliche persönliche Einstellung von Führungspersönlichkeiten, wer denn wohl eigentlich der Souverän sein sollte - im Zweifel ist das doch meist eher krass. Ich denke da z.B.gerade jetzt im Moment an die Äußerungen von Personen wie der Kanzlerin, dem schwäbischen Regierungsoberhaupt und etlichen mehr (ey boah, der b-w-Innenminister ... oops) angesichts Stuttgart21: offensichtlich wird da von einigen Politikern die Haltung zumindest eines Teils des Souveräns weder inhaltlich verstanden noch überhaupt akzeptiert, sondern umgekehrt aus der Haltung eines eigenartigen Rechts- und Souveränitätsverständnisses heraus definiert: Ihr haltet mal die Schnauze, und wir sagen Euch, was und wie es läuft ... und wehe, ihr wagt Euch ... Tja, und dann sind diese Politiker auch noch völlig verschreckt, dass genau dieses Auftreten - ich bin der King, und Ihr haltet jetzt mal gefälligst die Schnauze! - die Leute in Stuttgart offensichtlich so wütend macht ... oops, nasowas ... und sogar die Beamten begreifen nix mehr und meinen, die Stuttgarter die spinnen oder was, die haben doch sonst noch nie so gemeckert (der Größte war der Stuttgarter Polizeichef in der Pressekonferenz: das gab es noch nie in Baden-Württemberg, dass die Bevölkerung bei einem solchen massiven Polizeieinsatz nicht gleich weggelaufen ist ... damit konnten wir nun wirklich nicht rechnen ... also mussten wir halt in Gottes Namen zu körperlicher Gewalt greifen ... aber das tut uns ja nun wirklich leid, dass das so blöd gelaufen ist ...). Wir kommen da mit tausend Polizisten und Wasserwerfern, und die stellen sich da einfach hin und gehen nicht weg! Überhaupt, aus Sicht der Verantwortlichen Beamten und Politiker war das natürlich eine bodenlose Frechheit, dass man da einfach Kinder und Rentner in den Weg stellt ... und das im Musterländle, unerhört!
Klar, da muss man halt mal das eine oder andere Auge zudrücken ... mit der Faust, dem Schlagstock, oder zur Not halt dem Wasserwerfer ...
Und das Schönste sind dann noch die Fragen der Journalisten: ohgottwieschlimmdasalles - hat es die Politik versäumt, die Bürger ausreichend aufzuklären und mitzunehmen?
Hä? Wie? Aufklärung von oben? Was? Wegen Stuttgart21? Gesundheitsreform? Afghanistan? Integration? Islam? Pisa? Politiker klären auf? Nehmen mit? Wohin? Was? Wieso? ...
naja, gut, Politiker vielleicht jetzt nicht immer so und auch im Detail und achja, aber dafür dann immer: Fakten! Fakten! Fakten! Und Bild erklärt die Welt ... wird man ja wohl mal tun dürfen ...
Was soll man da sagen - ich weiß da jedenfalls noch keinen erfolgsversprechenden Ausweg. Außer, die Sache weiterhin mit möglichst ausreichendem Humor zu nehmen ...
Es gibt ja den blöden Spruch, dass Politik korrumpiert, aber ich bezweifle stark, dass das so vereinfacht stimmt. Ich bin ja auch kein Psychologe oder so, aber ich führe die Effekte trotzdem doch eher auf so eine Art "deformation professionelle" zurück - am Anfang ihre Karriere sind ja praktisch alle Politiker noch enthusiastisch, volks- und themenfokussiert, gut drauf und so weiter, aber häufig auch politisch ziemlich dilettantisch - und erst nach einer Weile werden sie dann Profis, pragmatisch orientiert und erfolgreich, aber auch abgebrüht und hin und wieder vielleicht sogar leicht größenwahnsinnig - und dann besinnen sie sich halt auch hin und wieder mal auf Vetterles, Pfründe, Renten und so weiter, leisten sich schon mal privat versehentlich einen Flug mit Politikerpunkten oder lassen sich den Dienstwagen ganz offiziell und selbstverständlich erlaubterweise ins Urlaubsland nachbringen, und so weiter. Und klar, als Berufspolitiker hat man zumindest fürs Alter immer schon mal ausgesorgt - vorausgesetzt natürlich, man springt nicht vorzeitig ab (mit geschlossenem Fallschirm oder so
...) Also denke ich schon, dass man im Verlauf einer politischen Karriere reift, wenn auch nicht immer zum Vorteil des Souveräns ...
Und wenn das halbwegs hinkommt, dann wäre eigentlich die Frage: wollen wir auf Dauer lieber engagierte Dilettanten, die dem Volk noch häufig aufs Maul schauen, aber fachlich und vom Ablauf her oft keine Ahnung haben, oder abgebrühte Profis, die alles voll durchblicken, aber die sich gerade auch deshalb durchaus auch mal gestatten, den Willen des Volkes zu ignorieren oder gar dem Volk bei Bedarf aufs Maul zu hauen ... etwas überspitzt formuliert ...?
Im ersten Fall müsste man beispielsweise die Amtszeit von Politikern generell begrenzen (keiner darf länger als sagen wir mal 5 Jahre in seinem Leben politische Ämter begleiten), im letzteren Fall muss man halt die Kraft des Faktischen anerkennen ...
Und ich bin eher Realist ... und daher doch eher ein wenig pessimistisch gestimmt ...
Aber andererseits ... so lange wir noch Menschen wie Daniela Katzenberger erleben dürfen ... ist es doch schön in Deutschland ... oder? (Fällt mir ein: ist die nicht auf Malle? Aber gut, gehört ja inzwischen auch zur BRD, oder fast jedenfalls ... und Hawaii wurde ja auch mal zu den USA geschlagen ... Apropos, Sarrazin ... ging das eigentlich nicht ursprünglich mal um den, oder sein Buch ... oder so?)
und nun ja, vielleicht hast Du ja sogar recht - im Moment probt das Volk in Stuttgart21 ja den Aufstand, sozusagen, und was rauskommt weiß noch keiner, noch nicht mal der Heiner ...
also ja: vielleicht ändert sich ja doch noch was.Dass sich alles verändert, wenn wir es verändern, klingt auch ganz gut. Irgendwie auch so schön motivierend ...
Aber: das setzt selbstverständlich die Möglichkeit zur Veränderung als solcher voraus.
Und zwar zu dauerhafter Veränderung - denn es nützt ja nix, wenn der Teig immer wieder mal mit Hefe kräftig aufgebläht wird, aber nie ein regelrechter Backvorgang erfolgt, sondern nach einer Weile immer wieder alles in sich zusammensackt ...
Insofern ist für historische Ereignisse eh keine Veränderung mehr möglich - ist der Zug erst mal abgefahren, bleibt der Bahnhof zurück, oder so ... Deshalb halte ich beispielsweise die demografische Situation in mancherlei Hinsicht für relativ unumkehrbar, zumindest in den nächsten paar Jahrzehnten.
Wobei mir persönlich das offen gestanden reichlich egal ist. Ich hab mich schon mal mit Geschichte beschäftigt, und naja, so gesehen ... Beispielsweise waren vor der Völkerwanderung relativ wenig Alamannen hier ... und irgendwann sind halt womöglich auch keine mehr da ... müssen dann eben Hunnen, Kelten, Babylonier oder sonstwer herhalten für die Alterssicherung, was soll's - und mir persönlich ist auch völlig egal, welche Kirchensteuer derjenige bezahlt, der meinen Rentenobolus leistet ... solange mir dann die jeweiligen Lautsprecher oder Glocken nicht direkt in die alterstauben Ohren dröhnen ... und selbst wenn, kann ich ja immer noch mit Faust (nicht meiner, sondern dem von Goethe) zurückbrüllen: die Botschaft hör ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube ... Zefixluja und Ruhe, sapperment!
Und wegen Genen und so weiter, weiß man ja, dass gerade die Germanen sich nicht über ihre Gene definierten, sondern über die Zugehörigkeit zum Stamm. Die wiederum war aber nicht von Abstammung definiert, sondern von freien Willenserklärungen (naja, vielleicht so ganz frei und freiwillig auch nicht immer ...). Sogar die Bezeichnung Alamannen selbst soll, so eine der Interpretationen, damit zu tun haben, dass es sich um eine "Akkulturation von Menschen verschiedener Herkunft" (cool, was alles in der Wikipedia steht) handelte ...
Und ansonsten, wegen Genen und Intelligenz: was man hat, hat man, und ansonsten nimmt man halt, was so kommt oder was man kriegt ... Durchschnittliche Intelligenz hin oder her, ist doch eh wurscht - weiß ja sogar die Daniela Katzenberger, was wirklich zählt: Blond und Möpse! Und echt, das stimmt schon irgendwie - ich hab bei der jedenfalls noch nie an Pisa gedacht ...
Äh, ach so, ja, urück zum Thema Veränderung: Für gegenwärtige oder zukünftige Gesellschaftsstrukturen, Gesetze, Denktraditionen etc. kann man durchaus noch gewisse Veränderungspotentiale unterstellen - allerdings sind die auch nicht unbegrenzt denkbar. Unser Grundgesetz ist ein simples Beispiel - da lassen sich (auf legalem Weg, bzw. mit und zu Recht
) keinesfalls alle Artikel einfach so ändern. Wesentlich sind allerdings auch die Stakeholder, wie man so schön sagt. Oder meinetwegen auch: die die das Sagen haben. Und das sind alle paar Jahre mal die Bürger für ein paar Minuten, und dann sind wieder die Politiker dran. Wir haben ja eine Parteiendemokratie, und zwar ausschließlich - da wird vom Bürger immer wieder mal entschieden, wer das Sagen hat, und dann ist aber wieder für eine Weile gut und Ruhe - da wird der Bürger nicht zwischendurch immer wieder mal mit Befragungen zu Sachthemen belästigt, wie in der Schweiz ...
Und ich bin halt insgesamt vor allem deswegen eher pessimistisch, weil ich bei realistischer Betrachtung der Realpolitik davon ausgehen muss, dass Politiker nur in wenigen Fällen (und bestenfalls nur am Anfang ihrer Karriere) den Souverän wirklich erkennen und dauerhaft anerkennen und sich selbst dauerhaft sozusagen als Dienstleister an diesem Souverän verstehen. Ich kenn einige Politiker (nicht persönlich), bei denen ich den Eindruck habe, dass sie sich so definieren - aber bei der Mehrheit unterstelle ich das eher nicht. Denn üblicherweise setzen sich Politiker über kurz oder lang eben doch vom Bürger ab, und auch viel zu gerne über die Bürger hinweg.
Und mein Pessimismus wird angetrieben von der Erkenntnis, dass das nicht nur für Altströmungen oder -Parteien gilt, sondern dass auch die in den letzten Jahrzehnten neu hinzugekommenen Parteien bzw. deren Vertreter schon in relativ kurzen Zeiträumen in solche Denkmuster verfallen. Egal, ob man da Aspekte wie die üppigen Pensionsregelungen, die diversen Dienstwagen- Dienstflüge- und was weiß ich noch für Regelungen und Affären als Beispiel nimmt, oder eben die offensichtliche persönliche Einstellung von Führungspersönlichkeiten, wer denn wohl eigentlich der Souverän sein sollte - im Zweifel ist das doch meist eher krass. Ich denke da z.B.gerade jetzt im Moment an die Äußerungen von Personen wie der Kanzlerin, dem schwäbischen Regierungsoberhaupt und etlichen mehr (ey boah, der b-w-Innenminister ... oops) angesichts Stuttgart21: offensichtlich wird da von einigen Politikern die Haltung zumindest eines Teils des Souveräns weder inhaltlich verstanden noch überhaupt akzeptiert, sondern umgekehrt aus der Haltung eines eigenartigen Rechts- und Souveränitätsverständnisses heraus definiert: Ihr haltet mal die Schnauze, und wir sagen Euch, was und wie es läuft ... und wehe, ihr wagt Euch ... Tja, und dann sind diese Politiker auch noch völlig verschreckt, dass genau dieses Auftreten - ich bin der King, und Ihr haltet jetzt mal gefälligst die Schnauze! - die Leute in Stuttgart offensichtlich so wütend macht ... oops, nasowas ... und sogar die Beamten begreifen nix mehr und meinen, die Stuttgarter die spinnen oder was, die haben doch sonst noch nie so gemeckert (der Größte war der Stuttgarter Polizeichef in der Pressekonferenz: das gab es noch nie in Baden-Württemberg, dass die Bevölkerung bei einem solchen massiven Polizeieinsatz nicht gleich weggelaufen ist ... damit konnten wir nun wirklich nicht rechnen ... also mussten wir halt in Gottes Namen zu körperlicher Gewalt greifen ... aber das tut uns ja nun wirklich leid, dass das so blöd gelaufen ist ...). Wir kommen da mit tausend Polizisten und Wasserwerfern, und die stellen sich da einfach hin und gehen nicht weg! Überhaupt, aus Sicht der Verantwortlichen Beamten und Politiker war das natürlich eine bodenlose Frechheit, dass man da einfach Kinder und Rentner in den Weg stellt ... und das im Musterländle, unerhört!
Klar, da muss man halt mal das eine oder andere Auge zudrücken ... mit der Faust, dem Schlagstock, oder zur Not halt dem Wasserwerfer ...
Und das Schönste sind dann noch die Fragen der Journalisten: ohgottwieschlimmdasalles - hat es die Politik versäumt, die Bürger ausreichend aufzuklären und mitzunehmen?
Hä? Wie? Aufklärung von oben? Was? Wegen Stuttgart21? Gesundheitsreform? Afghanistan? Integration? Islam? Pisa? Politiker klären auf? Nehmen mit? Wohin? Was? Wieso? ...
naja, gut, Politiker vielleicht jetzt nicht immer so und auch im Detail und achja, aber dafür dann immer: Fakten! Fakten! Fakten! Und Bild erklärt die Welt ... wird man ja wohl mal tun dürfen ...
Was soll man da sagen - ich weiß da jedenfalls noch keinen erfolgsversprechenden Ausweg. Außer, die Sache weiterhin mit möglichst ausreichendem Humor zu nehmen ...
Es gibt ja den blöden Spruch, dass Politik korrumpiert, aber ich bezweifle stark, dass das so vereinfacht stimmt. Ich bin ja auch kein Psychologe oder so, aber ich führe die Effekte trotzdem doch eher auf so eine Art "deformation professionelle" zurück - am Anfang ihre Karriere sind ja praktisch alle Politiker noch enthusiastisch, volks- und themenfokussiert, gut drauf und so weiter, aber häufig auch politisch ziemlich dilettantisch - und erst nach einer Weile werden sie dann Profis, pragmatisch orientiert und erfolgreich, aber auch abgebrüht und hin und wieder vielleicht sogar leicht größenwahnsinnig - und dann besinnen sie sich halt auch hin und wieder mal auf Vetterles, Pfründe, Renten und so weiter, leisten sich schon mal privat versehentlich einen Flug mit Politikerpunkten oder lassen sich den Dienstwagen ganz offiziell und selbstverständlich erlaubterweise ins Urlaubsland nachbringen, und so weiter. Und klar, als Berufspolitiker hat man zumindest fürs Alter immer schon mal ausgesorgt - vorausgesetzt natürlich, man springt nicht vorzeitig ab (mit geschlossenem Fallschirm oder so
...) Also denke ich schon, dass man im Verlauf einer politischen Karriere reift, wenn auch nicht immer zum Vorteil des Souveräns ...Und wenn das halbwegs hinkommt, dann wäre eigentlich die Frage: wollen wir auf Dauer lieber engagierte Dilettanten, die dem Volk noch häufig aufs Maul schauen, aber fachlich und vom Ablauf her oft keine Ahnung haben, oder abgebrühte Profis, die alles voll durchblicken, aber die sich gerade auch deshalb durchaus auch mal gestatten, den Willen des Volkes zu ignorieren oder gar dem Volk bei Bedarf aufs Maul zu hauen ... etwas überspitzt formuliert ...?
Im ersten Fall müsste man beispielsweise die Amtszeit von Politikern generell begrenzen (keiner darf länger als sagen wir mal 5 Jahre in seinem Leben politische Ämter begleiten), im letzteren Fall muss man halt die Kraft des Faktischen anerkennen ...
Und ich bin eher Realist ... und daher doch eher ein wenig pessimistisch gestimmt ...
Aber andererseits ... so lange wir noch Menschen wie Daniela Katzenberger erleben dürfen ... ist es doch schön in Deutschland ... oder? (Fällt mir ein: ist die nicht auf Malle? Aber gut, gehört ja inzwischen auch zur BRD, oder fast jedenfalls ... und Hawaii wurde ja auch mal zu den USA geschlagen ... Apropos, Sarrazin ... ging das eigentlich nicht ursprünglich mal um den, oder sein Buch ... oder so?) Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »r2b« (8. Oktober 2010, 21:59)
ruhig geworden
..es ist ruhig geworden um Herrn Sarrazin und sein Buch.
Fazit: #
- Er hat sein Geld gemacht
- Die Diskussion war aus meiner Sicht ziemlich fruchtlos (von wenigen Ausnahmen abgesehen)
- Die Politik ist zur Tagesordnung übergegangen
- Wichtigere Dinge beschäftigen die Tagespresse
Würde sagen: "Das war's !"
Fazit: #
- Er hat sein Geld gemacht
- Die Diskussion war aus meiner Sicht ziemlich fruchtlos (von wenigen Ausnahmen abgesehen)
- Die Politik ist zur Tagesordnung übergegangen
- Wichtigere Dinge beschäftigen die Tagespresse
Würde sagen: "Das war's !"
@hermanja: kann ich nur zustimmen. Aber das ist nicht nur so mit dem Buch sondern allgemein ein Problem unserer Gesellschaft. Oder hat einer von euch in den letzten Tagen in der Presse irgendetwas über die Love Parade Tragödie gehört?! Ich zumindest nicht. Also ich finde, dass den meisten Deutschen vieles egal ist. Sie interessieren sich nur so lange, bis die Presse nichts mehr dazu schreibt. Also: einfach mal nur den Mund zu Sachen aufreißen, für die man sich auch wirklich interessiert und wofür man sich auch noch einsetzt, wenn kaum noch einer darüber redet! 
Der Chilly

Der Chilly
RE: ruhig geworden
..es ist ruhig geworden um Herrn Sarrazin und sein Buch.
Fazit: #
- Er hat sein Geld gemacht
- Die Diskussion war aus meiner Sicht ziemlich fruchtlos (von wenigen Ausnahmen abgesehen)
- Die Politik ist zur Tagesordnung übergegangen
- Wichtigere Dinge beschäftigen die Tagespresse
Würde sagen: "Das war's !"
dafür ist jetzt seine alte am start und haut aufs thema bildung ein!!!
Hyronimus
unregistriert
Also ich finde das wieder ne scheiß Aktion, jetzt denken doch die anderen Länder, wir wollen hier wieder nen Reich aufbauen.
Ich verstehe garnicht wie der überhaupt außerhalb der NPD Politiker werden konnte, naja eine gute PR-Aktion für sein Buch war es allemal...![]()
Bspw. die Schweiz hat sehr viel schärfere Gesetzte als Deutschland, aber keines der anderen Länder sagt etwas.
Alles ein Filz
Alles ein Filz,
grundsätzlich muss man darüber diskutieren, in manchen dingen hat er recht, in anderen sich einfach im ton vergriffen. Richtig ist, das es viele integriete Ausländer in D gibt. Allerdings gibt es auch genug die es nicht sind und das sind nun mal die meisten. Aber schlimmer als das oder die Frage mit dem Atomausstieg der nicht! Ist die wanckelmütigkeit der regierung, was beim letzteren deutlich zu tage kommt!
Leider kleben die an der macht wie Schei.. am Arsc..... Ich sehe die Probleme nicht bei den Ausländen, oder bei sarazien, sondern schlichtweg in Berlin!
grundsätzlich muss man darüber diskutieren, in manchen dingen hat er recht, in anderen sich einfach im ton vergriffen. Richtig ist, das es viele integriete Ausländer in D gibt. Allerdings gibt es auch genug die es nicht sind und das sind nun mal die meisten. Aber schlimmer als das oder die Frage mit dem Atomausstieg der nicht! Ist die wanckelmütigkeit der regierung, was beim letzteren deutlich zu tage kommt!
Leider kleben die an der macht wie Schei.. am Arsc..... Ich sehe die Probleme nicht bei den Ausländen, oder bei sarazien, sondern schlichtweg in Berlin!

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